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Südafrika nach Kanada

Aus der Perspektive eines Jugendlichen

Von Johanu Botha

1. September 2007

Johanu BothaEin Wechsel is am Anfang ein schwieriger Prozess, aber die Änderung von dem Gemütlichem, Vertrautem zu dem völlig Neuen ist etwas sehr anders. Im einem Moment spielst Du noch mit der Idee, ein anderes Land zu sehen, in dem nächsten bist Du schon in einer Menge von Reisenden am Flughafen, überall Verwandte und zu viele gefüllte Taschen mit noch mehr Erinnerungen.

Kanada ist das Land, das wir hergekommen sind, um es uns anzugucken. „Der kalte Platz oben im Norden“ war die einzige Übersetzung, die wir, Südafrikaner dafür hatten. Es war auch kalt, aber nicht direkt. Was sich nach einem ganz-inklusiven Flug durch alle europäische Städte angefühlt hatte, und einer kurzen Landung in den Staaten, schaffte es meine Familie endlich in Winnipeg, Manitoba, anzukommen.

Als wir in die kanadische Sonne rausgegangen sind, kam uns ein heisser Windstoss und feuchter Wind entgegen. Die flache Landschaft war sehr ungewohnt für uns. Wir konnten kilometerweit sehen und erwarteten halbwegs, unsere Hinterköpfe am Horizont zu erblicken.

Die erste Kanadierin, die wir getroffen haben, war eine charmante Lady in ihrem mittleren Alter, welche uns unsicher, aber doch freundlich begrüßt hat. Wir haben schnell gemerkt, dass das eine typische Reaktion der Kanadier war. Sie heißen einen willkommen, aber mit einer Spur Vorsicht, als ob sie uns mögen, aber noch ein wenig Zeit brauchen, um sicher zu gehen.

Johanu & Natanu

Der Gemeinderat von Altona hat sich sehr gut um uns gekümmert. Unser Haus war schon mit Möbeln, einer Küche und Küchengeräten und einem Kühlschrank voll mit Lebensmitteln ausgestattet. Als die Zeit verging, fingen wir an, unsere Füsse auszustrecken und unsere neue Umgebung zu erkunden. Meine Mutter wurde als Arzt in der Arztpraxis angenommen und mein Vater war damit beschäftigt, eine Arbeit als Ingeneur zu finden. Meine zwei jüngeren Brüder, damals noch eins und drei Jahre alt, kamen in eine Tagesstätte, was schnell ihr zweites Zuhause wurde. Ich, damals noch 11 Jahre alt, hatte einen ganzen Sommer, um Freunde zu machen, was ich auch tat. Die meisten kanadischen Kinder waren sehr gespannt darauf, einen afrikanischen Gast bei sich zu haben.

Die Wochen sind dahingeflogen, und das Wetter wurde immer kälter, dafür sind Leute mir immer wärmer ans Herz gewachsen. Bekannte wurden zu Freunden. Die, die eigentlich immer nur vorbeigefahren sind und mal kurz gewunken haben, saßen jetzt bei uns und tranken Kaffee. Die Praxis von meiner Mutter war voll mit Patienten. Auch mein Vater hat eine Arbeit gefunden. Fröhlich habe ich die Schule angefangen und die Kleinen hatten den meisten Spass und vergaßen somit schnell die Sehnsucht nach Afrika.

Wir haben uns schenll in diese Welt hier eingelebt. Wir aßen Perogies und Kielke, fuhren Snowboard, spielten Baseball, und natürlich Eisschuhlaufen, und nicht zu vergessen haben wir auch Hockey gespielt.

Dennoch gab es ab und zu ein paar Erinnerungen an ein Lamm Steak, ein Rugby Spiel und ein Lagerfeuer in der afrikanischen Wildniss.

Wie ich schon am Anfang gesagt habe, ein Wechsel ist etwas ganz anderes. Es ist nicht einfach, so leicht wie Aprikosen und Eis zu essen. Es erwartet Einstellung und Geduld. Jeder kann ganz einfach in ein anderes Klima ziehen, doch in eine total andere Kultur einzutauchen, mit anderen Hobbies und Humor ist etwas ganz anderes und sehr viel schwieriger.

Aber dranbleiben, die Chance nehmen, unvoreingenommen sein und seine Identität nicht verlieren, das ist das Schöne an all dem. Das ist eine kleine Wahrheit, die uns alle in den letzten 5 Jahren erlaubt hat, in dieser neuen Welt so gut zurechtzukommen. Und dies wird auch weiterhin in den zukünftigen Jahren so bleiben.