Contact Us to Advertise on this SiteContact Us to Advertise on this SiteContact Us to Advertise on this Site

This publication is distributed by:

60 Jahre verheiratet und kein bisschen...

Von Heinrich Derksen

1. September 2007

Ja, was kein bisschen? Was passiert, wenn zwei Diamanten aufeinander prallen? Wenn jeder den Platz des anderen einnehmen will, jeder den anderen nach seiner Art zu schleifen versucht? Genau, da fliegen die Splitter! Und nach 60 Jahren ist jeder geformt und doch nicht fertig. Das Spiel geht munter weiter…

Das Leben selbst präsentierte sich Adelgunde Janzen und Abram Löwen als steinharte Herausforderung, Momente der Resignation gab es zur Genüge. Adelgunde wurde die Bodenhaftung60 Jahre im zarten Kindesalter entzogen, als die Mühlen des Stalinismus ihre Eltern und auch den Stiefvater dahinrafften. Sie nahm die Herausforderung an, indem sie sich der Verantwortung stellte, besonders hinsichtlich ihrer gelähmten Stiefmutter, die sie durch alle Wirren des Krieges sicher nach Paraguay brachte. Aus Gottes Hand nahm sie die Führung, nahm an die Härte des Urgesteins. Als ihr 1942 in Deutschland ein sorgloses Leben angeboten wurde, trieb sie eine christlich begründete Verantwortung zurück nach Russland, inmitten junger Deutscher, die das Naziregime in das sinnlose Abenteuer des Krieges schickte. Niemand konnte verstehen, dass sie freiwillig in den Zug stieg, der sie in die Hölle des Krieges führte, getrieben von ihrem Gewissen, die Stiefmutter nicht dem Schicksal ausgeliefert zu lassen.

Abram verlor 1930 in der Härte des ersten Ansiedlungsjahres im Chaco seinen älteren Bruder Heinrich. Sein Vater, Johann Löwen, der in Russland den Besitz verloren hatte, reagierte mit einem zeitlich begrenzten Totalausfall seiner Kräfte. Abram, noch ein Kind, übernahm die Pflichten eines Erwachsenen. Ging 1947 als „erster Student“ nach San Lorenzo, um Kenntnisse in der Landwirtschaft zu erwerben, just, als das MCC gestrandete Kriegsflüchtlinge betreute: Neuländer und Volendamer. Da kam Amor zum Zuge, die Diamanten fanden ihre Herausforderung. Abram schlug verächtliche Bemerkungen in den Wind, wonach mit einem Flüchtlingsmädchen, ausgestattet lediglich mit einer gelähmten Stiefmutter, wenig Staat zu machen sei.

Seitdem schleifen sie sich zurecht, in Landskrone, in Sommerfeld, paaren die Härte gar und setzen Gott und die Welt in Bewegung, indem sie gegen tausend Widerstände endlos viele soziale Projekte abwickeln, nicht immer darauf achtend, wohin die Splitter fliegen, denn – und das gilt bis heute – sie nehmen alles aus Gottes Hand, wissen sich geführt. Auch den Sprung vom fahrenden Kajak Sommerfeld, Paraguay, in den sanfteren Kanadier im Jahre 2005, der ruhigeres Fahrwasser verspricht!

Ebenso die Feier am 8. Juli 2007 in der ….. Kirche. Und das Ungewöhnliche geschieht: Das Urgestein lässt zu, dass die Kinder, Anna und Nestor Zazzarini, Italien, Adelgunde und Peter Dyck, Kanada und Adelheid und Heinrich Derksen, Deutschland die Zeremonie planen und durchführen. Und das zweite Wunder schließt sich an: Beide sind mit der Zeremonie einverstanden. Sind die Diamanten nun ganz rund?