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Geschäftsreise nach Deutschland
Traumhaft, oder?

Fades Essen, Ohrenstöpsel, verkrampfte Sitze, acht Stunden lang hin und her Gewühl hoch über dem Atlantik. Tagesanbruch, Landung in Frankfurt und ein kurzer Anschlussflug nach Berlin. Noch ein zerbrochener Reissverschluss, noch ein dunkler Flecken, noch eine zerfetzte Ecke aber wir sind dankbar das unser Gepäck doch angekommen ist – ich habe meine Klamotten!
Der Mietwagen ist fertig, Gepäck verstaut, das Navigationsystem ist engagiert worden. Wir sind in unserem motorisierten Büro für die nächsten zwei Wochen eingenistet. “Nach 500 Meter bitte rechts drehen.” Die weibliche Stimme, die mir die Wegbeschreibung gibt, ist mir jetzt schon vertraut geworden. “Nach 200 Meter bitte rechts drehen.” Es dauert immer etwas länger bis ich es begreife und akzeptiere das es nun zwei Frauen gibt die mir ständig vorsagen werden wo and wann ich wenden, halten und vorwärts fahren soll. Und wehe mir wenn ich auf dem Navigationsystem achte wenn Adele doch besser weiss. “Jetzt rechts!”
Wir verlassen nur eben den Flughafen und… rrrrring, rrrrring… “Hallo…ja, das ist Adele…ja, guten Tag…” unsere Arbeit hat begonnen. Unser erster Halt ist die kanadische Botschaft wo wir eine ganze Menge Anträge abgeben. rrrrring, rrrrring… “Hallo…ja, das ist Adele…” Später im nachmittag gibt es in der Botschaft eine Diskussion, unsere Akten zu besprechen. Später noch gibt es ein Treffen Programänderungen zu überprüfen und Fragen zu stellen. Abends treffen wir uns in unserem Hotel mit
ein paar Kunden und dann endlich (wir sind jetzt schon vierunddreissig Stunden wach) das Bett und süsse Ruhe. rrrrring, rrrrring… “Hallo… ja, das ist Adele…”
Am nächsten Morgen sind wir früh wach und frühstücken unten im Esszimmer bevor wir abfahren. Der Kaffee ist stark und schmeckt. rrrrring, rrrrring… “Hallo… ja, das ist Adele…” Wir besprechen unseren Tagesplan. Zu Nacht sind wir in Bremen aber… rrrrring, rrrrring… “Hallo… ja, das ist Adele…” unterwegs treffen wir uns mit etlichen Gruppen in verschiedenen Städten. Und für den Abend sind mehrere Termine im Hotel gebucht.
Es ist immer spannend neue Gruppen zum ersten Mal zu treffen. Die Leute sind anfänglich oft etwas still und zurückhaltend – wer sind eigentlich diese Leute aus Kanada? wissen sie überhaupt wovon sie sprechen? können wir uns auf sie verlassen? Wir fangen dann an… rrrrring, rrrrring… “Hallo… ja, das ist Adele…” den Prozess zu erklären. Adele entschuldigt sich und verlässt das Zimmer und ich fahre fort mit der Vorführung. Bald teilt ein jeder seine Geschichte und Witze, wir lernen einander kennen und lachen herzlich zusammen. Später sind alle Fragen beantwortet (obzwar man mit Gewissheit voraussagen kann dass sofern wir weg sind noch viele Fragen auftauchen) und man spürt eine neue Bindung hat begonnen. Leider ist für uns die Zeit knapp. Wir müssen sofort weiter zum nächsten Termin und lehnen die herzliche Einladung zum Mittagessen ab. Als wir den Steg entlang zum… rrrrring, rrrrring… “Hallo… ja, das ist Adele…” Auto gehen freuen wir uns – es war ein guter Besuch.
Unser nächster Termin sind sechs Familien, alles Verwandte. Bis wir dort ankommen hat sich die Zahl bis auf neun oder zehn Paare vermehrt und es sind jetzt auch mehrere Nachtbarn und Arbeitskollegen dabei. Etliche Familien haben ihren Antrag schon in Bearbeitung und möchten wissen wie weit es damit ist. Andere Familien sind wiederum neu und möchten die Geschichte von vorne an hören. Und noch andere wollen uns… rrrrring, rrrrring… “Hallo… ja, das ist Adele…” ihre Papiere überreichen. Wir werden mit Tee und Kaffee und köstlichem Gebäck bedient und es ist mal wieder ein gutes Zusammentreffen gewesen.
Und so geht es von einem Tag in den nächsten Tag. Von Berlin nach Bremen nach Bielefeld nach Dortmund nach Frankfurt nach Speyer nach Stuttgart nach München und viele Städtchen und Dörfer dazwischen. Immer wieder teilen wir unsere Informationen. Wir beantworten tausend Fragen, oder besser gesagt, wir beantworten zehn Fragen hundert mal. Wir fahren… “Nach 500 Meter bitte links halten…” zahllose Kilometer… “Nach 200 Meter links halten…” spät in die Nacht hinein… “Jetzt links halten und den Strassenverkehr auf die A8 folgen.” Wir hören den Leuten zu und wir lernen. Es wird viel mit unseren Familien gelacht und ab und zu werden auch Tränen vergossen.
Spät, sehr spät des abends finden wir ein Hotel. Die Küche ist schon geschlossen aber die freundliche Kellnerin bringt uns noch jeder einen Teller heisse Gulaschsuppe und eine Brotscheibe. Und dann endlich ist es Zeit zum schlafen… rrrrring, rrrrring… “Hallo… ja………….…”






